Vorweg drei Beispiele aus dem Alltag:
* Unterwegs auf der Autobahn nach Berlin. Mein Sohn müsste jetzt langsam
Feierabend haben. Ist der letzte Tag seines Praktikums. Da macht’s schon
„Dingdong“, und das blaue Lämpchen an meinem HipTop leuchtet
auf. Auf dem nächsten Parkplatz sehe ich nach: Eine Email von meinem Sohn.
Er ist ganz begeistert. 50€ hat er bekommen, und die Fotos, die er von
seinen Kollegen gemacht hat, hat er gleich an die Email drangehängt. Meine
Frau und ich können sie auf dem Bildschirm des HipTop bestaunen. Sofort
schicke ich ihm eine Antwort per Email zurück.
* Gleich beginnt der Workshop im Jugendgästehaus in Berlin. Alles soweit
fertig vorbereitet. Da höre ich das typische Türenknarren des AIM
in meinem HipTop. Stefan ist online. Ich schreibe ihm eine Nachricht, und wir
unterhalten uns eine ganze Weile (schriftlich natürlich), er an seinem
Computer sitzend, ich im Seminarraum des Jugendgästehauses in Berlin, mit
dem HipTop in der Hand.
* Bei einer Sitzung an der Uni Bremen erfahre ich, dass die VIVA-Moderatorin
„Milka“ bei der Preisverleihung für barrierefreie Internetseiten
moderieren soll. Kenne ich nicht, die Dame. Ist wohl nicht meine Generation.
(Nur tröstlich, dass meine Söhne mir später sagen, dass sie sie
auch nicht kennen. ;-) Ich gebe im Browser meines HipTop bei Google „Milka
VIVA“ ein, und schon bin ich auf der Fanpage. Ich zeige meiner Nachbarin
das Foto von Milka: „Ja, das ist sie!“
Nicht
sonderlich beeindruckend, diese drei Beispiele? Nein, das alles kennt man vom
heimischen Computer. Das besondere ist eben, dass man NICHT am heimischen Computer
sitzen muss für diese Funktionen, sondern dass man dabei total mobil ist.
An der Kreuzung vor der roten Ampel mal eben schnell eine Email schreiben und
abschicken. Während einer Tagung so ganz nebenbei ein wenig im Internet
surfen. Mit einem Freund chatten, während man spazieren geht. Das alles
war bisher nicht oder nur beschränkt möglich. Klar, WLANs sind jetzt
total in. Und wer das Glück hat, als Student in der Uni mit seinem Laptop
per Funk surfen zu können, kann diesen Luxus genießen. Allerdings
– beim Verlassen des Unigeländes ist’s vorbei mit diesem Luxus.
Mit einem ganz normalen Handy kann man aber ja auch surfen, per WAP. Richtig,
aber diese WAP-Seiten sind ein sehr abgespecktes Angebot von Webseiten. Da bin
ich mit meinem HipTop aber besser dran. Ich kann jede beliebige Website*
im Internet aufrufen. Und auf die Zeit bzw. die Kosten brauche ich nicht zu
achten. Bin eben rund um die Uhr online, per Flatrate.
Am faszinierendsten sind natürlich die kommunikativen Möglichkeiten
– gerade für Hörgeschädigte. Die mobile Kommunikation per
Email ist dabei wohl die „dritte Generation“, nach Pagern (Quix,
Skyper usw.) und SMS. Die Pager haben sich in Deutschland bei den Hörgeschädigten
nie so richtig durchsetzen können. Eigentlich nahe liegend. Man konnte
ja nur Nachrichten empfangen und nicht antworten. Das kommt einem heute schon
steinzeitlich vor. Handys dagegen wurden bei den Hörgeschädigten zum
Renner, wegen der SMS. Grenzenlose mobile Kommunikation – erstmals konnten
auch Hörgeschädigte sie genießen. Allerdings, einige kleine
Häkchen hat das schon mit dem Simsen: Nur 160 Zeichen pro Nachricht, umständliches
Tippen auf der numerischen Tastatur, und natürlich die Kosten! Gerade Jugendliche
sollen sich damit schon hoch verschuldet haben.
Das ist beim HipTop unvergleichlich besser. Da können die Emails endlos
lang werden, sie können sogar Anhänge haben, man erhält sie sofort,
man kann sie jederzeit und überall beantworten und dabei auf einer „richtigen“
(alphanumerischen) Tastatur schreiben – und sie kosten nichts, da sie
in der Flatrate schon inklusive sind. Wer will unter diesen Umständen schon
noch eine SMS schreiben? - Halt Stopp! Ganz so einfach ist es nicht. Denn wer
kann schon eine Email empfangen? Nur derjenige, der einen Computer hat –
oder eben einen HipTop (oder ein anderes Handy, das Emails empfangen kann).
Tja, und der hat eben noch Seltenheitswert. Nun ja, das war mit den „normalen“
Handys anfangs ja auch nicht anders. Und in den USA soll der HipTop unter den
Hörgeschädigten schon sehr weit verbreitet sein. Also hoffentlich
nur eine Frage der Zeit, bis jeder Hörgeschädigte seinen HipTop hat.
(Oder einen Blackberry, ein Nokia 9210i oder ein anderes Handy mit Email-Client.)
Und bis dahin kann man den HipTop ja auch für SMS nutzen. Das kann er natürlich
auch - zum gleichen Preis wie andere (0,19 € - aber KEINE Grundgebühr!).
Aber Emails mobil empfangen und schreiben oder unterwegs zu chatten, nach Lust
und Laune auch mal stundenlang, evtl. auch mit mehreren Leuten gleichzeitig,
vielleicht einer in den USA, einer in Österreich, einer in Deutschland
– das ist schon etwas anderes als dieses umständliche Hin- und Hersimsen!
Chatten auf dem HipTop per AIM
Bleibt noch die Frage, ob der HipTop denn auch in anderer Hinsicht für
Hörgeschädigte geeignet ist. Ist er! Er kann vibrieren und blinken.
Wenn etwas ankommt (Email, SMS, Chat-Nachricht), dann gibt es einen Klingelton
(kann man natürlich deaktivieren), einen Vibrationsalarm, und das kleine
Scrollrädchen leuchtet in allen Farben. Man kann’s also hören,
fühlen und sehen. Zum Lesen und Schreiben ist der Bildschirm groß
genug, und im Vergleich zu anderen Handys die Tastatur geradezu komfortabel.
Was will man mehr?
Eines kann der HipTop aber nicht: Gespräche in Gebärdensprache übertragen.
Mit der kleinen, ansteckbaren Kamera kann man zwar Fotos machen und per Email-Anhang
verschicken, aber für Videoaufnahmen bzw. –übertragungen ist
sie nicht gedacht. Dafür sind aber wohl selbst die sehnsüchtig erwarteten
UMTS-Handys nicht sonderlich geeignet, wie erste
Tests von Gehörlosen in Österreich ergeben haben. Mal ganz abgesehen
von so trivialen Problemen: Wie soll man das Handy für eine optimale Einstellung
halten oder abstellen? In der einen Hand das Handy, mit der Kamera auf mich
selbst gerichtet, und mit der anderen gebärden? Vielleicht sollten wir
Hörgeschädigten uns von diesem Traum verabschieden.

Dafür gibt es bei HipTop noch eine Gratis-Zugabe. Zu jedem HipTop gehört
eine Internetseite, durch Passwort geschützt natürlich, auf der alles
das abgespeichert wird, was man auf dem HipTop auch hat, vollautomatisch! Verblüffend,
wenn man die Seite zum ersten Mal aufruft: Nicht nur alle Emails sind schon
da, sondern auch alle Termine, Notizen, ja, sogar alle Fotos, die man mit der
Kamera geschossen hat. Und wenn man sie auf der Internetseite löscht, dann
werden sie auch automatisch auf dem HipTop gelöscht. Wenn man zu Hause
ist, kann man statt der zwar alphanumerischen, aber natürlich ziemlich
kleinen Tastatur auch seinen Computer benutzen und von dort aus Emails schreiben.
Die erscheinen dann auch im Ordner „Gesendet“ auf dem HipTop. Es
findet also ein perfekter Datenabgleich statt. Über die Internetseite kann
man auch seine kompletten Outlook-Adressen und –Termine in den HipTop
übertragen. Dass der HipTop so ganz nebenbei PDA-Funktionen hat, braucht
wohl nicht erwähnt zu werden.
Übrigens, Leute, denen ich den HipTop gezeigt habe, waren total verblüfft,
als es plötzlich klingelte und ich mit dem Gerät telefonierte. Das
kann der HipTop nämlich auch. (Ist mit 0.49 € pro Minute - ohne Grundgebühr!
- allerdings nicht gerade billig.)
Fazit:
Der HipTop ist zurzeit eines der besten Geräte für die mobile Kommunikation
Hörgeschädigter. Er verfügt zwar nicht über Bildtelefon-Funktionalität,
ansonsten bietet er aber so ziemlich alles: Email, Chatten per AIM, Surfen im
Internet, SMS, PDA-Funktionen, Kamera – und vor allem die Flatrate –
20€ im Monat! Wer seine bisherigen Handy-Rechnungen abcheckt, kann abschätzen,
ob sich der Umstieg auf den HipTop finanziell lohnt. Aber auch wenn es sich
finanziell nicht lohnen sollte – der HipTop macht ganz einfach Spaß!
Und der Spaß „lohnt“ sich doch allemal!
Bernd Rehling
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*Fast! Einige Einschränkungen gibt es schon noch. Animierte gifs, Filme, Javascript – das kann der HipTop-Browser leider (noch) nicht. Die Seiten werden zudem auf einem Proxyserver so zurechtgestutzt, dass sie auf den kleinen Bildschirm passen, ohne dass man seitwärts scrollen muss. Bei den meisten Seiten klappt das wunderbar, bei einigen aber leider nicht so perfekt. Frames lassen sich bei einem Smartphone-Display natürlich auch nicht darstellen. Da muss man dann vorher auswählen, welchen der Frames man ansehen will (Schon erstaunlich, dass beispielsweise der Haupt-Frame des Taubenschlags sich mit allen Bildern und Texten bequem betrachten lässt!) - Im Vergleich zum beschränkten WAP-Angebot sind die Einschränkungen aber eher unerheblich. Und natürlich wird auch die Software des HipTop ständig weiterentwickelt. Updates braucht man beim HipTop übrigens nicht zu installieren. Sie werden vollautomatisch "over the air" (per Funk) vorgenommen.
Text: Bernd Rehling Gestaltung: Bernd Rehling