Testbericht "3" mit Modell Nec e606 (UMTS in österreichische Gebiet)
Zeitraum: 1 Woche im Oktober 2003

   

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Auf den ersten Blick war es praktisch, auch der ungeduldig sofort gestartete Versuch, mit einem Zweithandy zu videotelefonieren, löste bei mir Begeisterung aus. Laut Werksangaben betrug die Übertragungsgeschwindigkeit in beide Richtungen während des Testzeitraums 64 kbit/sek. Das war schon etwas langsam (Vergleich: Die Modem-geschwindigkeit für Verbindungen ins Internet beträgt 56 kbit/sek). Wenn man zu schnell gebärdet, ist alles verschwommen bzw. man sieht starke Blockartefakte (Pixelauflösung vergrößert sich aufgrund schlechter Komprimierung stark). Wenn die Übertragung optimal ist, geht es schon einigermaßen - wenn man langsam gebärdet. Das ist von einer reibungslosen Kommunikation mit Gebärden via Videotelefonie noch weit entfernt.
Bei der dürftigen Videoqualität muss man zudem schon eine optimale Stellung haben, um ein gutes Videobild zu bekommen. Das heißt, man muss das Videohandy irgendwo abstellen, z.B. auf einem Kasten, damit das ganze Bild von sich selbst einschließlich beide Hände, Kopf und Oberkörper aufgenommen wird.
Ein Video-Telefongespräch mit einem Handy in einem Ort 35 km von Wien und dem anderen Handy im Zug zwischen Wien und dem südlichen Ballungsraum verlief positiv. Kein Ausfall, kaum Verzögerung. Wie bei üblichen Handys war die Videoqualität aber ganz schlecht, als ich in einem chinesischen Restaurant war, einem Altbau mit dicken Wänden.

Für die Verwendung anderer Features war zu wenig Zeit vorhanden, da die Nutzung sehr kompliziert ist. Selbst beim Verschicken von SMS muss man mehr Tasten betätigen als vergleichsweise bei einem gängigen Nokia-Modell. Der Nec e606 hat auch eine MMS-Funktion, Standbilder und sogar Videobilder lassen sich aufnehmen und via MMS verschicken. Aber wie gesagt war die Bedienung dieser Funktionen ziemlich kompliziert, sodass ich nicht dazu kam, sie auszuprobieren. Das Modell Nec e606 verfügt intern über keine E-Mail-Funktion, erst das Nachfolgemodell Nec e616 erhält dieses Feature.

Absoluter Minuspunkt beim Testgerät: Der Akku war bei vollem Betrieb bereits nach 1/2 Stunde leer. Es erscheint im Display ein Batteriesymbol mit rotem Schrägstrich, wenn der Akku bald leer ist (siehe Bild).
Das Aufladen dauerte ca. 6 Stunden. Aus diesem Grunde hatten ich und meine zweite Testperson das Handy immer am Netz angeschlossen, während wir videotelefonierten. Das ist natürlich nicht im Sinne der Handy-Nutzung!

Info über das Tarifmodell "3visuell" (PDF-Dokument), das nicht nur für Hörbehinderte gedacht war:
Videotelefonie ist 66 Minuten inkludiert im Monat. Ich habe es trotz dürftiger Qualität insgesamt ca. 3 Stunden in der Woche in Anspruch genommen. 66 Minuten sind für Gehörlose eigentlich viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass Gehörlose genauso viel gebärden wie die Hörenden am Handy sprechen. Jede weitere Minute Videotelefonie kostet 0,25 €, beim Sprechtelefonieren dagegen sind es 0,03 bzw. 0,07 €.
333 SMS ins eigene Netz und 333 SMS in andere Netze zusätzlich (also insgesamt 666!) finde ich für meinen Gebrauch etwas zuviel. Das passt eher zu Gehörlosen, die viele SMS verschicken. Weiters inbegriffen im Pakt sind:
33 Downloads, 99 Infodienste und 99 E-Mails. Diese Funktionen habe ich kaum verwendet. E-Mails lassen sich auf dem 3x4 cm großen Display des Nec e606 bei weitem nicht so angenehm lesen wie auf einem PC-Monitor.

Mir wären 333 Minuten Videotelefonie im Monat lieber und auch jede weitere Minute/MB sollte max. 0,1 € kosten.

Fazit: Es ist das erste Mal, dass Videotelefonie mit einem für Hörbehinderte gedachten Tarifmodell auf den Markt kommen wird, was durchaus positiv zu bewerten ist. Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt zu videotelefonieren, wird von den Hörbehinderten positiv aufgenommen, aber es gibt doch einige Minuspunkte:

  • An der Videoübertragungsgeschwindigkeit müsste man noch arbeiten, damit es schneller geht.
  • Für die Nutzung der anderen Möglichkeiten braucht man viel Zeit, um sie zu verstehen.
  • Besonders der Akku gehört erheblich überholt.
     

Tarifmodell "3visuell" (nur für Österreich!)

Nikolaus Riemer
Text:Tester Nikolaus Riemer, November 2003